Der Wald - eine ganz besondere Welt

Die Fichte ist Königin im Nadelwald

 Bildquelle: Ernst Klett Verlag - FichteWenn einer vom Wald spricht, so meint er meist einen Forst aus Nadelbäumen: Fichten oder Tannen. Das hat sich so eingebürgert. Tatsächlich ist die Fichte bei uns der häufigste Waldbaum: ein Viertel aller Stämme, die in unseren Wäldern wachsen, sind Fichten.

(Zusammen mit den Rotbuchen, die etwa 22 Prozent bringen, machen sie - die Fichten halten 26 Prozent - fast die Hälfte des deutschen Waldbestands aus.)

Mit dem Walten der Natur hat es allerdings nichts zu tun, daß bei uns so viele Fichten wachsen. Der Baum ist eigentlich in Gebirgsregionen oberhalb von 900 Metern zu Hause. Man hat die Fichten künstlich angesiedelt, weil sie mit ihren geraden, schlanken Stämmen für die Forstwirtschaft so nützlich sind. Abgesehen von den Alpenregionen gab es Fichtenwälder im Fichtelgebirge und im Böhmerwald - das war so ziemlich alles. Im Schwarzwald spielte dieser Baum noch vor hundert Jahren keine große Rolle.

Dort waren die Tannen zuhause. Wilhelm Hauff hat das sehr schön beschrieben:
"Wer durch Schwaben reist, der sollte nie vergessen, auch ein wenig in den Schwarzwald hineinzuschauen; nicht der Bäume wegen, obgleich man nicht überall solch unermeßliche Menge herrlich aufgeschossener Tannen findet, sondern wegen der Leute, die sich von den andern Menschen ringsumher merkwürdig unterscheiden. Sie sind größer als gewöhnliche Menschen, breitschultrig, von starken Gliedern, und es  Bildquelle: Ernst Klett Verlag - Weißtanneist, als ob der stärkende Duft, der morgens durch die Tannen strömt, ihnen von Jugend auf einen freieren Atem, ein klareres Auge und einen festeren, wenn auch rauheren Mut als den Bewohnern der Stromtäler und Ebenen gegeben hätte.

Sie handeln mit ihrem Wald; sie fällen und behauen ihre Tannen, flößen sie durch die Nagold in den Neckar und von dem oberen Neckar in den Rhein hinab, bis weit hinein nach Holland, und am Meer kennt man die Schwarzwälder und ihre langen Flöße; sie halten an jeder Seite, die am Strom liegt, an und erwarten stolz, ob man ihnen Balken und Bretter abkaufen werde; ihre stärksten und längsten Balken aber verhandeln sie um schweres Geld an die Mynheers, welche Schiffe daraus bauen."

Hauff schrieb das 1827 nieder; damals hatte er noch Gelegenheit, Tannen-Forstwirtschaft und Flößerei zu studieren. Von diesen Tannen hat der Schwarzwald auch seinen Namen; reine Tannenwälder wirken sehr dunkel. Übrigens haben sich die Tannenriesen, von denen Hauff auch schrieb, nur noch an wenigen Orten erhalten - etwa bei Kälberbronn im Nordschwarzwald oder bei Gernsbach im Südschwarzwald. Bei Zwiesel im Bayerischen Wald wachsen ebenfalls noch solche mächtigen Bäume, die 50 Meter Höhe erreichen, also auch noch für große Segelschiffe als Masten hätten dienen können. Nadelbäume vertragen herberes Klima als Laubbäume. Deshalb findet man sie noch oben in den Bergen, wo Laubbäume nicht mehr recht gedeihen wollen. Und der Norden Europas ist voller Nadelwälder. Denn ihnen machen kalte und lange Winter nichts aus, auch nicht ein Spätfrost im Frühjahr. Ihnen genügt ein kurzer, warmer Sommer, mit dem Laubgehölze längst nicht mehr zurechtkommen.

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